check_box_outline_blank zoom_in zoom_out
SSRQ ZH NF I/2/1 11-1

Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Erster Teil: Die Stadtrechte von Zürich und Winterthur. Zweite Reihe: Die Rechtsquellen der Stadt Winterthur. Band 1: Die Rechtsquellen der Stadt Winterthur I, von Bettina Fürderer

Zitation: SSRQ ZH NF I/2/1 11-1

Lizenz: CC BY-NC-SA

Organisation der Bauaufsicht in der Stadt Winterthur

1312 Dezember 30. Winterthur

Rudolf von Trostberg, Vogt von Kyburg, Schultheiss Egbrecht Gevetterli, Ulrich von Sal, Wetzel Schultheiss, Rudolf Steheli, Johannes von Schaffhausen, Arnold von Hinwil, Ulrich Nägeli und Walter Verro, Mitglieder des Rats, sowie der alte Rat und die Gemeinde der Stadt Winterthur haben eine Bauordnung erlassen und eine dreiköpfige Kommission, bestehend aus Johannes Schultheiss, Ulrich von Sal und Ulrich Nägeli, zur Beaufsichtigung des Bauwesens eingesetzt. Den Anordnungen der Kommission ist bei der Errichtung von Gebäuden aus Holz oder Stein Folge zu leisten. Sie legt den Lohn für Maurer, Ziegler, Zimmerleute, Säger und andere Werkleute fest. Wenn ein Mitglied stirbt oder seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, soll der Rat einen Nachfolger bestimmen. Es siegeln der Vogt von Kyburg im Namen seiner Herrschaft sowie Schultheiss, Rat und Gemeinde von Winterthur mit dem Stadtsiegel.

  • Signatur: STAW URK 37
  • Originaldatierung: 1312 Dezember 30
  • Überlieferung: Original
  • Beschreibstoff: Pergament
  • Format B × H (cm): 25.5 × 13.0 (Plica: 2.0 cm)
  • 2 Siegel:
    1. Rudolf von TrostbergPerson: , angehängt an Pergamentstreifen, fehlt
    2. Stadt WinterthurOrganisation: , Wachs, rund, angehängt an Pergamentstreifen, bruchstückhaft
  • Sprache: Deutsch
  • Edition
    • UBZH, Bd. 9, Nr. 3184

Nachdem er sich zunächst durch den Vogt von KyburgOrt: hatte vertreten lassen, gab Herzog Leopold von ÖsterreichPerson: im August 1313 seine stadtherrliche Zustimmung zur Organisation der städtischen Bauaufsicht in WinterthurOrt: (STAW URK 38, Edition: UBZH, Bd. 9, Nr. 3230). Im folgenden Jahr erliessen Schultheiss und RatOrganisation: eine Ordnung, in der sie sich die Aufsicht über das Bauwesen vorbehielten und die Besitzverhältnisse zwischen den Eigentümern der Grundstücke und denen, die diese als Leibgeding nutzten, regelten (UBZH, Bd. 9, Nr. 3251). Baupolizeiliche Standards, etwa im Bereich des Brandschutzes, liessen sich nicht nur mittels Verordnungen durchsetzen, sondern auch durch die Förderung der Verwendung feuersicherer Baumaterialien, vgl. SSRQ-ZH-NF_I_2_1-211-1. Zu baupolizeilichen Vorschriften städtischer Obrigkeiten vgl. Isenmann 2012, S. 463-465; Binding 1993, S. 93-101.

Versäumten die Besitzer notwendige Unterhaltsmassnahmen, konnten baufällige Häuser zur Gefahrenabwehr beschlagnahmt werden (SSRQ-ZH-NF_I_2_1-198-1). Im Ämterverzeichnis des Jahres 1523 werden die drei Verordneten des Kleinen RatsOrganisation: , «so alle buw besechen soͤllen», darunter der amtierende Baumeister, erstmals aufgeführt (STAW B 2/7, S. 377). Zur Baumeisterkommission in der Stadt ZürichOrt: vgl. Sutter 2002, S. 212-215.

Editionstext


Wir, her Ruͦdolf von TrosbergPerson: , vogit ze KiburgOrt: , Egebreht GevetterliPerson: , sculthaisse, Uͦlrich von SalaPerson: , Wezzel der SchulthaissePerson: ,
Ruͦdolf StehelliPerson: , Johans von SchafhusenPerson: , Arnolt von Hu̍nwilePerson: , Uͦlrich NegelliPerson: und Walther der VerrePerson: , der rat ze WintertureOrt:
Organisation:
, und mit
den der alt ratOrganisation: und allu̍ du̍ gemainde ze WintertureOrt: Organisation: , kundin allen, die disen brief ansehent oder hoͤrent lesen, ain erkantnuste der nach
gesribenon dinge.
Wissin alle, den es zewissinne beschiht, das wir ainwelleklich mit besintem und bewertem rate durch unser herren
und unser stat êlichen nuz und noturft ain ordenunge, wie man u̍nser stat bu̍wen su̍le, vur verderbenu̍ste und grossen schaden u̍nserre stat
getan habin. Und darumbe so habin wir gesezzet die erberen lu̍te hern Johansen den SchulthaissenPerson: , hern Uͦlrichen von SalaPerson: , hern Uͦlrichen
Negellin
Person:
. Und habent die durch u̍nser gebot und u̍nser bet gesworn ze den hailigen, das su̍ haissin bu̍wen uffen ir aide dur alle die
stat, baidu̍ mit gemu̍re und zimber, nach des mannes stat, als nôturftdig ist unser stat. Und habin wir darumbe allesament gelopt, zKorrigiert: gaehorsame ze sinne und gehulfig aller der ordenunge, so su̍ ze dem buwe haissent tuͦn uffen ir aide. Und darzuͦ stat uffen den selben uffe
ir aid, das su̍ haissin baidu̍, mûrerre, zieglerre, zimberlu̍te und segerre und alle werchlu̍te, den lôn nemen, den su̍ haissent. Wir
habin oͧch gesezzet, swele under den drinMenge: 3 sturbe oder unnu̍z wurde, so sol ain ratOrganisation: , swele denne rat ist, ainen andern geben uffen
den aid an des unnu̍zzen stat, angeverde. Und darumbe so habin wir gelopt, swer under u̍ns rat werde, das der der selbun ordenunge gebunden und gehulfig sie als och wir. Und swenne er den ratOrganisation: swêrre, das er das selbe in sinen aid vahe als och wir.
Und ze ainer
bestêtenuste dirre geseztde so hab ich, der vorgenande her Ruͦdolf von TrostbergPerson: , vogit ze KiburgOrt: , disen brief an miner herren stat
bevestet und besigelt mit minem insigel. Und darzuͦ so habin wir, der schulthaisse und der ratOrganisation: und allu̍ du̍ gemainde ze WintertureOrganisation: , u̍nser stat insigel zuͦ des vorgenanden u̍nsers vogtes insigel gegeben an disen brief ze ainer behu̍gnuste1 und gewerem urku̍nde aller der vorgesribenon dinge.
Disu̍ ordenunge und disu̍ gesezte geschach ze WintertureAusstellungsort: , do von gottes geburte waren
dru̍zehenhundert jar, darnach in dem drizehenden jare, an dem nehsten samstage nach der kindelin tageOriginaldatierung: 30.12.1312 ().
[fol. v]Seitenumbruch
[Vermerk auf der Rückseite von Hand des 18. Jh.:]
Rudolf von TrostbergPerson: , vogt zu KyburgOrt: ,
und des raths zu WinterthurOrt: Organisation:
verordnung,
wie mann die statt bauen soll, b anno 1312Korrektur von Hand des 19. Jh. überschrieben, ersetzt: 3cDatum: 29.12.1312.

Anmerkungen

  1. Korrigiert: g.
  2. Hinzufügung auf Zeilenhöhe von Hand des 19. Jh.: 29 DecDecember.
  3. Korrektur von Hand des 19. Jh. überschrieben, ersetzt: 3.
  1. Erinnerung (Idiotikon, Bd. 2, Sp. 1087).