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SSRQ SG III/4 73-1

Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, XIV. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons St. Gallen, Dritter Teil: Die Landschaften und Landstädte, Band 4: Die Rechtsquellen der Region Werdenberg: Grafschaft Werdenberg und Herrschaft Wartau, Freiherrschaft Sax-Forstegg und Herrschaft Hohensax-Gams, von Sibylle Malamud

Zitation: SSRQ SG III/4 73-1

Lizenz: CC BY-NC-SA

Gütlicher Schiedsspruch über vier Artikel betreffend die Allmenden im Kirchspiel Buchs

1484 März 6.

Burkhard Gehr, Hans Gorff, Leonhard Rohrer, Hans von Rotenberg, Ulrich Senn, Hans John (Juon), Klaus Meli und Klaus Schön, alle wohnhaft im Kirchspiel Buchs, schickten 13 Männer auf einen Untergang durch das ganze Kirchspiel, im Einverständnis mit Graf Wilhelm VIII. von Montfort-Tettnang, der das daraus resultierende Urbar bestätigte. Nach dem Tod des Grafen Wilhelm möchte Graf Johann Peter von Sax-Misox das Urbar ebenfalls bestätigen, wobei folgende vier Artikel einer Klärung bedürfen: 1. Die Kirchgenossen einigen sich zusammen mit Junker Rudolf Giel von Glattburg, Vertreter des Grafen Johann Peter, dass die Allmend mit allen ihren Erträgen weiterhin Gemeingut bleiben soll. Wenn jemand darauf persönliche Rechte geltend macht, sollte er gemäss Bürgerrecht entschädigt werden. 2. Die Äcker am Rhein, die dieser zerstört hat und die Allmenden waren, sollen wieder Eigengut werden, wenn das mit Kundschaften und Urkunden nachgewiesen werden kann. 3. Graf Johann Peter kann den Weiher bei der Stadt Werdenberg erweitern, solange dies keinem Kirchgenossen schadet. Das Ufer darf als Allmend genutzt werden. 4. Bisher war es laut Urbar verboten, auf den eigenen Gütern Obst- und Weingärten anzulegen. Dies soll fortan gestattet sein. Sollte aber jemand übertreiben, hat der Graf das Recht zur Einsprache.

Erbetener Siegler: Freiherr Sigmund von Brandis

  • Signatur: LAGL AG III.2418:001
  • Frühere Signatur: LAGL 117
  • Originaldatierung: 1484 März 6
  • Überlieferung: Original
  • Beschreibstoff: Pergament
  • Format B × H (cm): 45.0 × 29.0
  • 1 Siegel:
    1. Freiherr Sigmund von BrandisPerson: , angehängt an Pergamentstreifen, fehlt
  • Sprache: Deutsch

  1. Die Kirchgenossenschaft von BuchsOrt: beschliesst mit dem Einverständnis von Graf Wilhelm VIII. von Montfort-TettnangPerson: , einen UntergangBegriff: zur Bestimmung und Bereinigung der Grenzen durchzuführen. Weil der Graf in der Zwischenzeit stirbt, bestätigt sein Nachfolger, Johann Peter von Sax-MisoxPerson: , das Urbar von BuchsOrt: am 26. April 1484Datum: 26.4.1484 (StASG AA 3a U 13). Jakob Eggenberger, Hans Stricker und Valentin Vincenz haben dieses UrbarBegriff: 1984 als Faksimile mit Transkription, Übersetzung und Kommentar herausgegeben (Eggenberger/Stricker/Vincenz, Buchser Urbar, das Faksimilie ist zu finden unter StASG AA 3 B 8; KA Werdenberg im OA Grabs, Nr. 70). Die gedruckte Version von Niklaus Senn aus dem Jahr 1882Datum: 1882 (Senn, Urbar) liegt unter StASG AA 3 A 12b-2. Vor der Bestätigung des Urbars werden jedoch noch vier unklare Punkte geklärt.

  2. Zu den Urbaren der Gemeinden vgl. das UrbarBegriff: von GrabsOrt: aus dem Jahr 1463Datum: 1463 (KA Werdenberg im OA Grabs Nr. 1 [Original], StASG AA 3 B 07 [Fotokopie], gedruckt bei Vetsch, Urbar) sowie das Grabser Urbar von 1691Datum: 1691 (Druck: Stricker, Urbar). Vgl. auch das GamserOrt: Urbar von 1461 (Original: OGA Gams Nr. 69, gedruckt bei Senn, Gangbrief. Das Original galt als verschollen. Im OGA Gams ist das Original dieser Fotokopie jedoch vorhanden und zwar unter dem Datum des 25. Mai 1586, OGA Gams Nr. 69 [besucht: 4. Juni 2019]. Eine Fotokopie des Originals befindet sich auch im Staatsarchiv St. Gallen unter StASG AA 2 A 14-1c. Das Urbar ist undatiert, doch im sogenannten Gadölbrief von 1476 [SSRQ-SG-III_4-69-1, S. 10] wird mitgeteilt, dass laut Anlassbrief von 1475Datum: 1475 die Grenzbesichtigung und damit die Erstellung des Urbars vor 14 Jahren, also 1461Datum: 1461, stattfand).

    Ein ungedrucktes, bisher von den Literatur kaum beachtetes Urbar stammt von SevelenOrt: aus dem Jahre 1489Datum: 1489 und befindet sich im OGA Sevelen. Es ist nur noch als Kopie aus dem Jahr 1752Datum: 1752 unter dem Titel «Marchen-Urbar Buch» erhalten (OGA Sevelen B 00.34). Vgl. auch den als Pergamentheft ausgefertigten Wegbrief der Gemeinde SaxOrganisation: , der jedoch nur eine Beschreibung der Fahr-Begriff: und FusswegeBegriff: , nicht aber der Grenzen der Güter usw. enthält (StASG AA 2a U 04).

Editionstext


Wir, nachbenempten Burckart GerPerson: , Hans GorffPerson: , Leonhart RorerPerson: , Hans von RotenbergPerson: , Uͦlrich SennPerson: , Hans JuͦnPerson: , Claus MelinPerson: und Claus SchoͤnPerson: , alle in BuxOrt: er kilchspelBegriff: gesessen, vergechent offenlich und tuͦnd kundt aller menglich, als dann wir und die kilchgenosenBegriff: und gemain nachburschafftBegriff: des kilchspels ze BuxOrganisation: mit dem merer tail unns
fu̍rgenomen haben, ain undergangBegriff: zetuͤnde daselbs zu BuxOrt: im kilchspel ūberal, in berg und talBegriff: , deshalb den wolgeborn unsern gnedigen herren, herrn Wilhelmen,
grafen zu Montfort und Werdemberg
Person:
seͣliger loblicher gedachtnuß, angeruͤfft und erbetten, den sin gnad und vergu̍nst und verwilget hāt. Daruff wir dryzehenMenge: 13
erber mann ze undergengerBegriff: under uns darzuͦ geordnet haben, die och uff zwen anlāßbriefBegriff: , von dem obgemelten unsern gnedigen herren säliger versigelt gegeben, gegangen
sind, nach lut ains permittinBegriff: libelBegriff: s ains urbanBegriff: . Und wan aber der obgemelt unser gnediger herr säliger in soͤlichem emaln und er uns das gemelt urban
bestaͤt hat, abgangen ist, deshalb nach sinem abgangBegriff: wir den wolgeborn herren, hern Johanns Petern, grave zu Masax, yetz herre zu WerdembergPerson: , unsern
gnedigen herren, gnediglich angeruͤfft haben, uns soͤlich urban, das wir sinen gnaden fu̍rgehalten und hoͤren lassen haben, zu bestaͤten, das ouch sin gnad uns
zetuͤn zugesagt hāt.
Uff soͤlich verschribung, wie hienach begriffen, also bekennen wir, obgemelten achtMenge: 8 mann, anstatt und innamen unser
selbs und och gemainer nachpurschafft des kilchspel ze BuxOrganisation: und all unser nachkomen, als zu der sach geordnet, mit disem brief: Als dann dem gemelten
unserm gnedigen herren graf Johans Peter zu MasaxPerson: etcAbkürzung und uns in dem urban ettwas mangel ist in vier artickeln mit namen der almainBegriff: , der bōmBegriff: en
daruff gezwyetBegriff: werden, och der aͤckerBegriff: n, so wir am RinOrt: fu̍r trattBegriff: en usgangen haben, die der RinOrt: hingefuͤrt hat, sy syen gewesen unsers gnedigen herren oder
ander luten, och des wygerBegriff: s halb an der stattBegriff: 1, so unser gnediger herr vermaint rechtung ze haben. Desglich ob jeman im kilchspel jeder uff dem
sinen machen muge etcAbkürzung. Syen wir mit dem gemelten unserm gnedigen herren durch den edeln vesten junckherr Ruͦdolf Giel von GlatburgPerson: , siner gnaden
vogt, der ding halb also guͤtlich veraint.
Das wir, gemain nachpurschafftBegriff: , in unserm kilchspelBegriff: die almainBegriff: en und was daruff stāt in almain wyse
zu ewigen zyten beliben lassen und nieman nutz daruff aignen soͤlle weder boͤmBegriff: noch anders. Und ob jeman ūtz ze aigenBegriff: daruff vermainte, demselben
soͤllen unser gnediger herr und wir darumb gerecht werden nach lut des burckrechtBegriff: z.
Item von der aͤckerBegriff: n wegen, die der RinOrt: hingefuͤrt, und wir fu̍r unser
almainen usgangen haben, ist beredt und bedingt, ob u̍ber kurtz oder ûber langzyt sich funde, das unsers gnedigen herren oder andern luten aͤckern oder mattenBegriff:
gewesen waͤren und wider guͦt darzuͦ wurden, das dann, es waͤr unser gnediger herr, sin nachkomen, wir oder ander ald unser nachkomen, die wider zu acker
oder matten machen mūgen. Wa jederman also konn zu dem sinen komen mit kuntschafft, luͤt oder briefen, wie recht ist.
Desglich ist hierinne och abgeredt und bedingt, das der gemelt unser gnediger herr, sin erben oder nachkomen den vorgemelten wygerBegriff: wol usgraben und wytren mūgen, so wyt das
maußTextvariante in StASG AA 3 a U 13, S. 22: moßBegriff: a2 ist, ungehindert unser und unser nachkomen. Was si aber zu jederzyt mit wasserBegriff: nit schwellenBegriff: , daruff soͤllen wir, unser nachkomen, unser
trattBegriff: nutzen und niessen, ungehindert menglichs als ander almainen in unserm kilchspel.
Item und die wyl ain artickel im urban unsers
undergangBegriff: s begriffen ist, das nieman uff dem sinen weder bōmgartenBegriff: noch wingartenBegriff: machen sol, und aber wir wol bericht werden beschweͣrt sin.
Hierumb lassen wir den nach, also, das ain yeder uff sin guͦt ze BuxOrt: wol muge in beschaidenhait wingart und bomgart machen, das dz schu̍nlich
bomgart und wingart syen innezehaben. Ob ald wie aber das jeman u̍bertriben welte, sol unserm gnedigen herren und uns und unsern nachkomen
unser inredBegriff: behalten sin und das zu weren in beschaidner maß. Und sol dise unser bekantnu̍ß dem undergang und urban sust in allen andern puncten
und artickeln darinne begriffen, one schaden sin, alles ungevarlich.
Und des alles zu wārem und offem urkund, so geben wir, obgemelten
achtMenge: 8 mann, wie wir hie ob mit namen begriffen und geschriben sind, anstatt in namen unser selbs und der gemainen nachpurschafft und kilchgenosen des kilchspel zu BuxOrganisation: , dem vorgemelten unserm gnedigen herren, sinen erben und nachkomen, disen brief mit des edeln und wolgebornen
herren, hern Sigmunds, fryherren zu BrandisPerson: , unsers gnedigen herren insigel besigelt, des er fu̍r uns und unser nachkomen von unser vlissig gebett
wegen, im selbst und sinen erben one schaden, offelich hieran gehenckt hat. Der brief ist geben uff samstag vor dem sonnentag invocavit in der
vasten nach CristiPerson: geburt viertzehenhundert achtzig und vier jare
Originaldatierung: 6.3.1484
.
|Seitenumbruch
[Vermerk auf der Rückseite von Hand des 15. Jh.:]
Vertrag in BuxerOrt: kirchspkirchspiel von
undergangs wegen,
[Vermerk auf der Rückseite von späterer Hand:] so lut
begementen libel, geschechen der
gnossammy wegen actum aoanno 1484
[Registraturvermerk auf der Rückseite:] b N 117

Anmerkungen

  1. Textvariante in StASG AA 3 a U 13, S. 22: moßBegriff: .
  2. Streichung: No 219.
  1. Stadt WerdenbergOrt: .
  2. Moos, Sumpf, Moor. Es könnte sich hier auch um den Ortsnamen MoosOrt: (Dorfteil von Buchs) handeln, der direkt südlich des Sees liegt.