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SSRQ ZH NF I/1/3 100-1

Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Erster Teil: Die Stadtrechte von Zürich und Winterthur. Erste Reihe: Stadt und Territorialstaat Zürich. Band 3: Stadt und Territorialstaat Zürich II (1460 bis Reformation), von Michael Schaffner

Zitation: SSRQ ZH NF I/1/3 100-1

Lizenz: CC BY-NC-SA

Blutgerichtsordnung der Stadt Zürich, Teil 2

ca. 1516 – 1518.

Die Ordnung regelt die Verlesung des Geständnisses des Angeklagten sowie des durch das Malefizgericht gefällten Urteils. Es werden die Urteilsformeln für folgende Bestrafungen einzeln geregelt: Schlagen mit Ruten; Ohren Abschneiden; Schwemmen; Einmauern; Ausstechen der Augen; Abschneiden der Zunge und der Schwurfinger; öffentliche Abbitte des Delinquenten auf den Kanzeln von Grossmünster und Sankt Peter; Ertränken; Enthaupten; Henken; Henken und Verbrennen; Rädern; Rädern, Henken und Verbrennen; Pfählen; Lebendig Begraben.

Bei der vorliegenden Ordnung handelt es sich um einen Anhang zur Blutgerichtsordnung, die im Satzungsbuch von 1516-1518 erstmals ausführlich verschriftlicht wurde (SSRQ ZH NF I/1/3 99-1). Die hier aufgelisteten Urteilsformulare, die im Anschluss an den Prozess öffentlich verlesen wurden, lassen sich in den meisten Fällen bereits in den Rats- und Richtbüchern des 15. Jahrhunderts nachweisen. Eine gekürzte Version findet sich im Satzungsbuch des Heinrich MathisPerson: (StAZH B III 10, fol. 56v-58v), vollständig wurde die vorliegende Ordnung in das Weisse Buch von 1604 übernommen (StAZH B III 5, fol. 539r-544r).

Für die Zeit bis 1798 lassen sich in ZürichOrt: insgesamt 1424 Todesurteile nachweisen, wobei unter den verhängten Hinrichtungsarten die Enthauptung klar den grössten Anteil stellt, mit einigem Abstand gefolgt vom Erhängen. Für Frauen war bis Ende des 15. Jahrhunderts die gebräuchlichste Hinrichtungsart das Ertränken, wobei sich bereits im 16. Jahrhundert das Enthaupten auch für Frauen als häufigste Hinrichtungsart durchsetzte. Mit der Nennung diverser Örtlichkeiten und Einrichtungen wie dem Halseisen sowie der verschiedenen Hinrichtungsstätten bietet die vorliegende Ordnung wichtige Einblicke in die vormoderne ZürcherOrt: Rechtstopographie.

Allgemein zur Todesstrafe im vormodernen ZürichOrt: vgl. Steinfels/Meyer 2018; Gilomen 1995, S. 384-386; Haerle 1993; Wettstein 1958; zur Anzahl der Todesurteile und zur Häufigkeit der Hinrichtungsarten vgl. Wettstein 1958, S. 120-133; zur Herausbildung der Urteilsformulare in den Rats- und Richtbüchern vgl. Krusche 2017.

Editionstext

So man u̍ber das bluͦtt hatt gericht, wie man die vergicht unnd urtel sol leßenn

N von N, der da gegenwu̍rtig statt, hatt verjaͤchenn, dis nachgeschribenn hab er verstoln oder einenn gemurdt etcAbkürzung.

Von ruͦten ussschlachen

Umb sollich diebstal, u̍bel unnd misstuͦn ist von dem genanten N nach gnadenn unnd also gericht, das er dem nachrichter befolchenn werdenn, der im alle sine kleider bis an das niderkleid abziechenn unnd sine hend hinder sich bindenn unnd inn an ein seyl naͤmmenn unnd mit guͦten birchinen ruͦten anfachen schlachenn unnd inn all gmechlich bis fu̍r das thor in NiderdorffOrt: 1 fuͤren unnd da zwuschent die ruͦten nit sparenn unnd dann genanter N ein urfechdt schweren, in unnser statt Zu̍richOrt: noch dero gericht noch gepiet niemer mer zekommen. Unnd sol damit dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst habenn.

Unnd ob yemas, wer der wer, sollich straff aͤfferti oder andoty mit wortenn ald werckenn, heimlich oder offennlich, ald das schuͤffy gethan werdenn, das der unnd die selbenn in den schulden sin soͤllent, darinn der genampt N yetz gegenwu̍rtig statt.

Von ruͦten usschlachenn

Umb sollich diebstal unnd missthuͦn ist von dem genanten N nach gnadenn, in ansechung siner jugent, also gericht, das er dem nachrichter befolchenn werdenn, der im sine kleider biss uff sin weichs ussziechenn, sine hend bindenn unnd inn demnach von dem FischmercktOrt: 2 die strass hinuss mit ruͦtenn fu̍r das thor in NiderdorffOrt: schlachenn. Unnd das dann der genampt N ein urfechdt schwerenn soͤlle, in [fol. 164v]Seitenumbruch unnser statt Zu̍richOrt: noch dero gemeine gericht unnd gepiet niemer mer zekomenn. Und das er damit dem gericht gebuͤst habe.

Unnd ob jemand, wer der were, der sollichs aͤfferty oder andoty mit worten oder werchenn, etcAbkürzung.

Umb orenn abschnidenn

Umb sollich diebstal ist von dem genantenn N nach gnaden unnd also gericht, inn dem nachrichter zuͦbefelchenn, der inn in das hallßysen3 stellenn unnd darinn zwo stundZeitspanne: 2 Stunden stan lassenn unnd demnach daruss naͤmmenn und im sine beide oren abschnidenn. Ouch er, genanter N, ein urfechdt thuͦon unnd darinn schweren sol, u̍ber RhinOrt: vier milLängenmass: 4 Meilen wegs unnd in die EidtgnoschafftOrt: niemer mer zekommenn. Unnd umb soͤllichs damit dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst habenn.

Umb schwemmenn

Umb sollichenn schantlichenn, lasterlichenn lug unnd gros u̍bell ist von dem genanten N nach gnad unnd also gericht, das er dem nachrichter befolchenn werdenn, der inn in das halßysenn stellenn unnd zwo stundZeitspanne: 2 Stunden darinn lassenn ston unnd demnach daruss naͤmmen unnd by dem Ru̍dennOrt: nebent ein schiff in das wasser legenn unnd da dannenn in dem wasser bis in NiderdorffOrt: zuͦ der undern badstubenn an das land schwemmen unnd demnach uff ein urfecht ledig gelassen unnd och in dem selben urfechdt schweren, vier milLängenmass: 4 Meilen u̍ber den GothartOrt: unnd nit mer haru̍ber. Unnd sol damit der genant N dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst habenn.

Umb ob jemas, wer der were, etcAbkürzung.

[fol. 165r]Seitenumbruch

Umb vermurenn4

Umb sollich u̍bell unnd misstuͦn ist von dem genantenn N inbetrachtung allerley ursachen nach gnaden und also gericht, das N unnd N, unser stattbuwmeister, unnd N, unser ratsfru̍nd, an fuͦgklichenn endenn, so inen gefalt, den genanten N vermuren lassenn soͤllint. Also, das inn son noch mon lebendig niemer mer beschyne unnd dhein gesicht in noch uss habenn, dann obenn ein loͤchly, da der dunst etwaͧs von im gon unnd man im das essenn hinin gebenn mug unnd sust niemas mit irAuslassung in StAZH B III 5, fol. 540va zuͦ red kommen unnd des tagsWiederholte Zeitspanne: 1 Tag ein mal zuͦ essenn gebenn unnd er also darinn ligenn unnd blibenn, biss er erstorbenn ist. Unnd dann dem nachrichter sinenn lib befolchenn werdenn, der den hinuss uff das Gryen by der SylOrt: 5 fuͤren unnd da verbrennenn, das fleisch unnd gebein zuͦ eschen werd. Unnd das damit der genampt N dem gericht unnd raͤchtenn sol gebuͤsst habenn.

Umb ougen ußstechenn

Umb sollich u̍bell unnd misstuͦn ist von dem genanten N gericht, das er dem nachrichter befolchenn werden, der inn bindenn unnd hinuss in die houptgruͦben6 fuͤren unnd im da sine beide ougenn uss sinem houpt stechenn unnd inn erblendenn unnd inn demnach wider entbindenn unnd schweren lassenn einen eyd, funff mylLängenmass: 5 Meilen wegs von unnser statt Zu̍richOrt: unnd niemer mer naͤher darzuͦ zekommen. Und sol damit dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst habenn.

Unnd ob jemas etcAbkürzung.

[fol. 165v]Seitenumbruch

Umb zungenn unnd finger abhowen

Umb sollichenn meineyd unnd u̍bersechenn des geschwornen urfechds ist von dem genanten NHinzufügung oberhalb der Zeileb gericht, das er dem nachrichter befolchenn werden, der im by dem stock die zwenMenge: 2 finger, so er uffgehept, da er sollichenn eyd gethan, und sin zungenn, damit er sollichen eyd geschworn hatt, abhowenn. Unnd sol damit der genampt N dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst habenn.

Uff die cantzlenn zestellen

Von sollicher wortenn waͤgen ist von dem genanten N uff pitt siner fru̍ndenn unnd nach gnaden also gericht, das uff yetz sontagZeitspanne: Sonntag nechstku̍nfftig zwenMenge: 2 unser stattknecht inn uss gefencknuss naͤmmen unnd inn an beid cantzlen zuͦ dem Mu̍nsterOrt: unnd zuͦ Sannt PetterOrt: am morgennZeitspanne: morgens vor der bredy stellenn unnd er redenn soͤll, er habe wider gots ere etwas schantlicher wortenn gerett, darumb er mencklichen pitt, gott fu̍r inn zuͦbitten, das er im sin su̍nd vergeb c–unnd demnach in acht tagennZeitspanne: 8 Tage gan EinsidlennOrt: 7 gan, das bichtenn unnd buͤssen unnd des urkund bringenn.UnterstrichenAuslassung in StAZH B III 5, fol. 541r–c Unnd darzuͦ sol er hinfuͤr in dhein urtenn gan, biss uff miner herren gnad unnd sol ouch schweren ein urfechdt, sollichs nit zuͦrechen.

Von ertrencken

Umb sollich diebstal, u̍bell unnd misstuͦn ist von dem genanten N also gericht, inn dem nachrichter zuͦbefelchenn, der im sin hend bindenn unnd inn in einem schiff zuͦ dem Nidern Hu̍ttlyOrt: 8 fuͤren unnd uff das hu̍ttli setzen und im die hend also gebunndenn u̍ber die knu̍ [fol. 166r]Seitenumbruch abstreiffenn unnd ein knebell d zwu̍schenn den armen unnd den schencklenn durchhin stossenn unnd syTextvariante in StAZH B III 5, fol. 541r: inne allso gebundenn in das wasser werffenn unnd in dem wasser sterbenn unnd verderben lassenn. Unnd er damit dem gericht unnd raͤchten gebuͤßdt habenn soͤll.

Umb schwuͤr unnd gotslestrung

Als uff N, der da gegenwu̍rtig statt, mit geschwornenn eydenn von erbernn lu̍tenn kuntlich wordenn, das er dis nachgeschribenn schwuͤr gethan hab, namlich: f–«Das dich gots»Auslassung in StAZH B III 5, fol. 541v–f etcAbkürzung, ist von dem selbenn N umb sollich boͤss uncristenlich schwuͤr unnd gotslestrung also gericht.

Umb enthoptenn

Umb sollich u̍bell unnd missthuͦn ist von dem genanten Textvariante in StAZH B III 5, fol. 542r: Ng also gericht, das er dem nachrichter befolchenn werden, der im sin hend bindenn unnd inn hinuss in die Textvariante in StAZH B III 5, fol. 542r: gwonlichh wallstatt fu̍renn unnd im daselbs mit einem schwert sin houpt von sinem lib schlachenn, das zwu̍schenn sinem coͤrpell unnd houpt ein wagenrad gan mug. Unnd das er damit dem gericht Textvariante in StAZH B III 5, fol. 542r: und rechteni gebuͤst habenn sol.

Umb fridbruch

Als N von N, der da gegenwu̍rtig statt, N von N by nacht unnd nebell schantlich, lasterlich unnd mortlich vom lebenn zum tod gepracht unnd zerhowen hatt, alles u̍ber unnd wider geschwornen friden, darinn sy gegeneinandernn gestanden sind, wie sich das durch geschworne kuntschafft unnd sin eigenn vergicht erfunden hatt, ist umb sollich gros u̍bell unnd missthuͦn, wiewol von im mit dem rad, als zuͦ einem moͤrder gericht moͤcht worden sin, nach gnaden unnd also gericht, wie enthoptenTextvariante in StAZH B III 5, fol. 542r: hirob dess enthouptens halber, etcAbkürzung.j.

[fol. 166v]Seitenumbruch

Umb henckenn

Umb sollich diebstall, u̍bell unnd missthuͦn ist von dem genantenIn der Vorlage: gnt N gericht also, das er dem nachrichter befolchenn werden, der im sin hend hindersich binden, ouch im sine ougenn verbindenn unnd inn hinuss zuͦ dem galgen9 fuͤrenn unnd inn an den galgenn henckenn unnd an dem galgen unnd in dem lufft sterbenn unnd verderbenn lassenn. Unnd er damit dem gericht gebuͤst habenn soͤlle.

Unnd ob jemas etcAbkürzung.

Umb hencken unnd verbrennen

Umb sollich diebstall, ketzery, gros u̍bell unnd missthuͦn ist von dem genanten N also gericht, inn dem nachrichter zuͦbefelchenn, der im sin hend hindersich uff sinenn ruggen ouch sine ougenn verbindenn unnd inn hinuss zuͦ der SylOrt: uff das GryenOrt: fuͤrenn, daselbs uff ein hurd setzenn unnd an k ein stud bindenn, ouch einen galgenn an die stud machenn unnd im einen strick an sinenn halss leggen unnd inn an den galgen henckenn unnd also uff der hurd an der stud unnd an dem galgen verbrennenn soͤlle, das sin fleisch unnd gebein zuͦ eschenn werde. Unnd er damit dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst habenn.10

Umb radprechenn

Umb sollich gros mord, u̍bell unnd misstuͦn ist von dem genamptenn NHinzufügung oberhalb der Zeilel also gericht, inn dem nachrichter zuͦbefelchen, der inn bindenn, sine fuͤss zuͦsamen stricken unnd inn uff ein brett ru̍gglingenn legenn, sin fuͤss einem ross an den schwantz bindenn und inn mit dem ross hinuss uff die waldstatt schleipffen unnd im daselbs sin arm vor unnd hinder der elbogenn, obTextvariante in StAZH B III 5, fol. 543r: ouchm sine beyn, ob unnd nidt [fol. 167r]Seitenumbruch den knuyenn, unnd darnach sinenn ruggenn mit einem rad zerstossenn unnd zerbrechenn unnd n inn dannathin in das rad flechtenn unnd das rad an ein stang stossenn unnd inn also in den lu̍fft uffrichtenn unnd in dem rad unnd lu̍fft lassenn sterben unnd verderbenn. Unnd er damit dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst habenn sol.

Umb radprechen, henckenn und brennenn

Umb sollich gros moͤrdery, ketzery, diebstal, u̍bell unnd mißthuͤn ist von dem genanten N also gericht, inn dem nachrichter zuͦbefelchenn, der im sin hend bindenn, sine ougen verbindenn, sine fuͤss zuͦsamen strickenn unnd inn rugglingenn uff einenn ladenn leggenn, ouch sin fuͤss eim ross an den schwantz bindenn unnd inn uff dem ladenn mit dem ross hinuss zuͦ der SylenOrt: uff das GryenOrt: fuͤrenn unnd schleipffen unnd im daselbs sin arm vor unnd hinder der elnbogenn, ouch sin bein ob unnd nidt dem knu̍ unnd demnach sinem ruggenn mit einem rad zerstossenn unnd zerbrechenn unnd inn dannanthin in das rad flechtenn unnd inn uff dem rad an einenn galgenn henckenn unnd darnach mit dem rad unnd dem galgenn in das fu̍r stellenn unnd inn uff dem rad unnd am galgenn verbrennenn, also, das sin fleisch unndTextvariante in StAZH B III 5, 543v: zuͦo gebein zuͦTextvariante in StAZH B III 5, fol. 543v: undp eschenn werde. Unnd das er damit dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst habenn soͤlle.

Unnd ob jemas etcAbkürzung.

Umb ketzery

Umb sollich ketzery, gros u̍bell unnd missthun ist von dem genanten N gericht, das er dem nachrichter befolchen werden, der im sin hend bindenn unnd inn hinuss q anHinzufügung am linken Randr die SylOrt: uff das GryenOrt: fuͤrenn unnd inn daselbs uff [fol. 167v]Seitenumbruch ein hurd setzenn unnd an ein stud bindenn unnd inn uff der hurd unnd an der stud brennenn, das sin fleisch unnd gebein zuͦ eschenn werde. Unnd das er damit dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst habenn sol.

Unnd ob jemas etcAbkürzung.

Umb pfaͤlenn

Umb sollichenn notzog, u̍bell unnd misstuͦn ist von dem genanten N gericht, das er dem nachrichter befolchenn werdenn, der im sin hend bindenn unnd hinuss zuͦ der waldstatt fuͤren unnd im dann sin fuͤss ouch bindenn unnd inn an den ruggen leggen unnd einen eichinen pfal durch sinen lib schlachenn unnd allso gebundenn und an dem pfal lassenn sterbenn unnd verderben. Unnd sol damit der genampt N dem gericht unnd raͤchten gebuͤst habenn.

Unnd ob jemas etcAbkürzung.

Umb lebendig vergraben

Umb sollich gros mord, u̍bell unnd misstuͦn ist von der genanten N also gericht, das sy11 dem nachrichter befolchen werden, der iro ir hend binden unnd si hinuss an die waldstatt fuͤrenn unnd daselbs ein grab machenn unnd si lebendig darin und ein bu̍rdy thoͤrn under sy unnd eine uff si legenn unnd si damit vergrabenn unnd also in dem grab zwu̍schent den doͤrnen lassenn sterbenn unnd verderben, ouch da blibenn. Und sol die genant N damit dem gericht unnd raͤchtenn gebuͤst haben.

Unnd ob jemas etcAbkürzung.

Anmerkungen

  1. Auslassung in StAZH B III 5, fol. 540v.
  2. Hinzufügung oberhalb der Zeile.
  3. Auslassung in StAZH B III 5, fol. 541r.
  4. Streichung: d.
  5. Textvariante in StAZH B III 5, fol. 541r: inn.
  6. Auslassung in StAZH B III 5, fol. 541v.
  7. Textvariante in StAZH B III 5, fol. 542r: N.
  8. Textvariante in StAZH B III 5, fol. 542r: gwonlich.
  9. Textvariante in StAZH B III 5, fol. 542r: und rechten.
  10. Textvariante in StAZH B III 5, fol. 542r: hirob dess enthouptens halber, etcAbkürzung.
  11. Streichung: ened.
  12. Hinzufügung oberhalb der Zeile.
  13. Textvariante in StAZH B III 5, fol. 543r: ouch.
  14. Streichung: er.
  15. Textvariante in StAZH B III 5, 543v: zuͦ.
  16. Textvariante in StAZH B III 5, fol. 543v: und.
  17. Streichung: uff.
  18. Hinzufügung am linken Rand.
  1. Zum NiederdorftorOrt: vgl. KdS ZH NA I, S. 102-103.
  2. Zum FischmarktOrt: vgl. KdS ZH NA I, S. 43; KdS ZH NA III.II, S. 64.
  3. Das Halseisen erfüllte die Funktion eines Prangers, wobei die Verurteilten mittels eines eisernen Ringes, der um den Hals gelegt wurde, festgekettet waren. Es befand sich auf dem FischmarktOrt: (KdS ZH NA I, S. 43; KdS ZH NA III.II, S. 64). Bis zur Reformation verfügte ausserdem das GrossmünsterOrganisation: über ein eigenes Halseisen zur Bestrafung von Delinquenten, die seiner Gerichtsherrschaft unterstanden. Zu dessen Lage vgl. Weisz 1939-1940, S. 188.
  4. Belege für die praktische Anwendung dieser Strafe sind sehr selten. In den Rats- und Richtbüchern findet sich ein einziger Fall aus dem Jahr 1487, bei dem eine der Hexerei beschuldigte Frau eingemauert wurde. Vgl. Wettstein 1958, S. 129.
  5. Es handelte sich dabei um Schotterbänke der Wilden SihlOrt: in der Nähe der heutigen SihlbrückeOrt: (KdS ZH NA I, S. 43).
  6. Die Hinrichtungsstätte, auch als «wallstatt» bezeichnet, befand sich bei der heutigen Verzweigung von BadenerstrasseOrt: und AnkerstrasseOrt: (KdS ZH NA I, S. 42-43).
  7. Die Verhängung von Busswallfahrten als Strafe war in der spätmittelalterlichen EidgenossenschaftOrt: an verschiedenen Orten gebräuchlich, ausserhalb davon jedoch nur in den NiederlandenOrt: als fester Bestandteil der Rechtsordnung belegt. In ZürichOrt: war während des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts EinsiedelnOrt: mit Abstand des häufigste Ziel von Busswallfahrten. Die Verpflichtung zur dortigen Beichte wurde vornehmlich bei leichteren Vergehen verhängt, wobei es sich in allen Fällen um reduzierte Strafen aufgrund von Gnadengesuchen der Verurteilten oder ihrer Angehörigen handelte. Zu den in Frage kommenden Delikten gehörten neben dem in der vorliegenden Ordnung erwähnten Fluchen auch unerlaubter Solddienst sowie Inzest. Die Verurteilten hatten nach ihrer Rückkehr dem RatOrganisation: eine Bescheinigung über die absolvierte Beichte vorzulegen, wobei zu diesem Zweck in EinsiedelnOrt: auch gedruckte Formulare in Gebrauch waren. Beispiele solcher gedruckter Bescheinigungen sind aus dem Jahr 1521 von Teilnehmern des sogenannten Piacenzerzugs erhalten (StAZH A 209.2, Nr. 84 a-d). Zu den Busswallfahrten vgl. Sieber 2007d, S. 330-333; Morf 1969, S. 183; Ruoff 1942, S. 78; Ruoff 1941, S. 57; 152-153; speziell zu den EinsiedlerOrt: Beichtbescheinigungen vgl. Sieber 2007d, S. 291-292.
  8. Zum Niederen HüttliOrt: , das auch unter dem Namen Fischerhüttli Ort: bekannt war, vgl. KdS ZH NA I, S. 43. Von dort aus wurde im Januar 1527 der prominente Täufer Felix Manz Person: ertränkt. Sein Todesurteil folgt dem hier wiedergegebenen Formular (SSRQ ZH NF I/1/3 139-1).
  9. Der Galgen befand sich auf dem heutigen Gelände des städtischen Freibads LetzigrabenOrt: (Brunner et al. 2008, S. 71-72; KdS ZH NA I, S. 41-42).
  10. Das Verbrennen (normalerweise ohne vorheriges Hängen) war die gängige Hinrichtungsform von Frauen, die wegen Hexerei verurteilt worden waren. Die hier wiedergegebene Urteilsformel findet sich daher am Ende zahlreicher Hexenprozesse, vgl. dazu das Todesurteil gegen Verena DienerPerson: von PfäffikonOrt: (SSRQ ZH NF I/1/3 129-1). Wegen Homosexualität verurteilte Angeklagte wurden ebenfalls am häufigsten verbrannt. Bei insgesamt zwölf dokumentierten Fällen zwischen 1400 und 1600 wurde neun Mal der Tod durch Verbrennen verhängt, zwei Mal durch Enthaupten und nur einmal durch Hängen (Puff 2003, S. 183-189). Das Urteil im prominenten Fall des 1482 wegen Homosexualität mit dem Feuertod bestraften elsässischenOrt: Adligen Richard Puller von HohenburgPerson: entspricht ebenfalls der in der vorliegenden Ordnung genannten Formel (SSRQ ZH NF I/1/3 15-1).
  11. Der Text wechselt hier in die weibliche Form, da das Lebendig Begraben fast ausschliesslich für Frauen angewendet wurde (Wettstein 1958, S. 128).